16. April 2010

 

Großer Schlag aus der Tiefe – dramatische Preisentwicklungen am Stahlmarkt

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Die Betreiber von Eisenerzminen haben Ihre Zeit gesehen und die Preise drastisch angehoben. Im ersten Schritt erwarten uns Preissteigerungen um bis zu 110%, Preisbindungen werden nur noch quartalsweise abgeschlossen, und das während die Stahlindustrie derzeit boomt.

 

Bereits im letzten Herbst berichtete Nordbleche im Rahmen seiner Presseinformationen über den langfristigen Preisanstieg im Stahlsektor. Waren es bisher die Energiekosten und der starke Rohstoffbedarf der Chinesen, kommt nun ein weiterer Teuerungsfaktor hinzu: der Rohstoffmarkt. Also die Vorstufe, bevor Stahl überhaupt erst mittels Energieverbrauch produziert und anschließend verkauft wird.

 

„Europa hat vergessen, daß die Kolonialzeit, in der die unterentwickelten Länder für den Wohlstand der Menschen in Europa produziert haben, zu Ende ist“, sagte kürzlich Roger Agnelli, Chef des größten Erzkonzerns Vale. Erst vor wenigen Wochen brachen die Brasilianer eine langgehegte Tradition, die Preise jährlich festzuschreiben. Statt dessen werden die Preise nun quartalsweise ausgehandelt und zu Beginn gleich um bis zu 110% erhöht, je nach Sorte.

 

Dies war erst der Anfang, die anderen bedeutenden Konzerne haben inzwischen nachgezogen. Unter der Parole „Erz ist knapp“ freuen sich die Konzerne auf satte Gewinne. Denn die Abbaukosten dürften sich nicht wirklich erhöhen.

 

Die Stahlindustrie stöhnt unterdessen, hatte sich zu Jahresbeginn der Markt gerade erst erholt und hat in den letzten Wochen geboomt. Zeitgleich erhöhen sich, laut Focus Money (Ausgabe 16/2010), die Preise für Kokskohle und Schrott massiv, so daß mit einer Kostenexplosion um gut 40% gerechnet wird.

 

Nordbleche hat dies bereits schon zweimal zu spüren bekommen. Während im Frühjahr die Preise sanken, wurde bereits wenige Tage danach die Ankündigung einer neuen Preisliste zum 1. April geschickt. Diese galt schon vor dem 1. April, da alle Materialien ausverkauft waren, selbiges ist nun schon wieder geschehen. Zum 1. Mai wurden die Preise erneut angepaßt und haben nur eine Gültigkeit bis Ende Mai. Hier erkennt man die Dramatik in der Branche und welche Bewegung hier derzeit herrscht.

 

Einschätzungen nach, dürfte die eh schon gebeutelte Automobilbranche am stärksten darunter leiden. In einem Auto wird im Schnitt eine Tonne Stahl verarbeitet und macht etwa 15% der Gesamtkosten aus. Da kann man sich ausrechnen ob die Konzerne lieber auf Gewinne verzichten, oder die Autos teurer werden – deren Absatz derzeit eh stagniert.

 

Die Zeit steht also auf akute Teuerungen, wer jetzt schon planen kann, egal ob Bau mit Stahlblech oder beim Autokauf, sollte bald reagieren.

 

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